Die Illusion der sicheren Führungsposition: Warum dein Lebenslauf morgen wertlos sein könnte

4. Mai 2026

Autor: Dirk Picklaps, Partner bei EINWERK Consulting

 

Der Markt für Führungskräfte im Supply Chain Management und Einkauf bricht gerade leise, aber gewaltig ein. Während viele noch auf den nächsten Headhunter-Anruf für die klassische „Head of…“-Rolle warten, hat die Realität sie längst überholt. Die Wahrheit, die niemand gerne ausspricht: Unternehmen streichen das mittlere Management nicht aus einer Laune heraus. Sie tun es, weil flache Hierarchien und KI-gestützte Prozesse die klassischen „Verwalter“ zunehmend überflüssig machen. Wer jetzt stur an seinem Titel festhält, verliert.

 

Der strukturelle Reset im mittleren Management

Die Transformation des Arbeitsmarktes ist kein vorübergehender Trend, sondern ein struktureller Reset. Künstliche Intelligenz und Automatisierung übernehmen zunehmend Aufgaben, die traditionell in den Bereich des mittleren Managements fielen – von der Datenanalyse über das Reporting bis hin zur operativen Steuerung von Lieferketten. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey geben 80 Prozent der Führungskräfte an, dass KI essenziell für die Effektivität von Leadership ist, doch nur 8 Prozent fühlen sich darauf vorbereitet [1].

 

Gleichzeitig zwingt der enorme Kostendruck Unternehmen dazu, ihre Strukturen zu verschlanken. In der BME-Logistikstudie 2025 gaben 90 Prozent der Chief Procurement Officers (CPOs) an, dass sie für das Jahr 2025 ein schwierigeres Marktumfeld als im Vorjahr erwarten, wobei Kosteneinsparungen für 71 Prozent die höchste Priorität haben [2]. Die logische Konsequenz: Hierarchien werden abgeflacht, Entscheidungswege verkürzt und klassische Management-Ebenen abgebaut.

 

Die neue Währung: Problemlösungskompetenz statt Titel

Die entscheidende Währung der Zukunft ist nicht mehr, wie viele Mitarbeiter du geführt hast oder wie klangvoll dein Titel auf der Visitenkarte ist. Es ist die Frage: Welches konkrete Problem kannst du lösen, wenn man dir den Titel wegnimmt?

 

Wer jahrelang Teams gesteuert hat, besitzt Fähigkeiten, die Gold wert sind – wenn man sie aus dem Korsett der „Führungskraft“ befreit. Die Fähigkeit, komplexe Lieferketten zu stabilisieren, kritische Verhandlungen zu führen oder Change-Prozesse zu orchestrieren, ist branchenunabhängig und hochgradig gefragt.

 

Drei Wege aus der Management-Falle

Um in diesem neuen Marktumfeld nicht nur zu überleben, sondern zu florieren, müssen Führungskräfte ihre Rolle neu definieren. Drei Ansätze haben sich dabei als besonders vielversprechend erwiesen:

 

  1. Vom Manager zum Macher: Zurück in die operative Exzellenz Unternehmen suchen händeringend Experten, die nicht nur delegieren, sondern selbst anpacken. Die reine Steuerungsfunktion verliert an Wert, während tiefes fachliches Know-how und die Fähigkeit zur operativen Umsetzung an Bedeutung gewinnen. Wer bereit ist, sich wieder die Hände schmutzig zu machen und operative Verantwortung zu übernehmen, wird schnell feststellen, dass sein Marktwert steigt.

 

  1. Der Portfolio-Ansatz: Interim-Management als neue Sicherheit Warum alles auf eine Karte setzen? Interim-Management, Beiratsmandate und projektbasierte Beratung bieten oft mehr Sicherheit als die vermeintlich sichere Festanstellung. Der Markt für Interim Management wächst rasant: Laut der AIMP-Marktstudie lag das Gesamtmarktvolumen im DACH-Raum im Jahr 2024 bei rund 3,09 Milliarden Euro, wobei der deutsche Markt mit 2,4 Milliarden Euro den Löwenanteil ausmacht [3].

 

Besonders interessant: 63 Prozent der Interim-Mandate dauern mittlerweile zwischen drei und zwölf Monaten, weitere 30 Prozent sogar länger [4]. Unternehmen setzen Interim Manager gezielt dort ein, wo es drängt – bei Restrukturierungen, Transformationen oder im Krisenmanagement. Für erfahrene Führungskräfte bietet dieser Weg nicht nur finanzielle Attraktivität (der durchschnittliche Tagessatz in Deutschland liegt bei 1.338 Euro [3]), sondern auch maximale Flexibilität und Unabhängigkeit.

 

  1. Der radikale Pivot: Das Spielfeld wechseln Die Kernkompetenzen eines erfahrenen Supply Chain Managers oder Einkäufers – analytisches Denken, Verhandlungsgeschick, Prozessverständnis – sind nicht an eine bestimmte Branche gebunden. Wer sich traut, das Spielfeld zu wechseln und seine Fähigkeiten in neuen Kontexten anzuwenden, eröffnet sich völlig neue Karriereperspektiven.

 

Strategie Fokus Zielgruppe
Operative Exzellenz Tiefe Fachexpertise, Hands-on-Mentalität Unternehmen mit akuten operativen Problemen
Portfolio-Ansatz Flexibilität, Projektarbeit, Interim Management Mittelstand und Konzerne im Wandel
Radikaler Pivot Transferierbare Skills, Branchenwechsel Wachstumsbranchen, Start-ups, Scale-ups

Tabelle 1: Strategien für die Neuausrichtung von Führungskräften

 

Fazit: Werde zum Organisations-Architekten deiner eigenen Karriere

Die Illusion der sicheren Führungsposition bröckelt. Doch darin liegt eine enorme Chance. Wer aufhört, sich über seinen Titel zu definieren, und stattdessen seine Problemlösungskompetenz in den Vordergrund stellt, wird auch in Zukunft unverzichtbar sein.

 

Als Organisations-Architekten bei EINWERK – ausgezeichnet als „Beste Personalberatung 2024“ durch das Handelsblatt [5] – begleiten wir nicht nur Unternehmen bei der Transformation, sondern auch Führungskräfte bei ihrer beruflichen Neuausrichtung. Ob in der Festanstellung als operativer Macher oder im dynamischen Umfeld des Interim Managements: Wir helfen Ihnen, den „Keystone Fit“ für Ihre nächste berufliche Station zu finden.

 

Lassen Sie uns darüber sprechen, wie Sie Ihre Erfahrung aus dem Korsett der klassischen Führungskraft befreien und zukunftssicher positionieren können.

 

 

 

Quellenverzeichnis

[1] Medium (2024). The Algorithmic Manager: Your Middle Managers Aren’t Disappearing, They’re Just Getting Automated. Abgerufen von https://medium.com/@pascal.gerardus/the-algorithmic-manager-your-middle-managers-arent-disappearing-they-re-just-getting-ae9448b45673 [2] Logistik Heute (2025). Studie: KI prägt Beschaffungsstrategien. Abgerufen von https://logistik-heute.de/news/studie-ki-praegt-beschaffungsstrategien-225668.html [3] GOiNTERIM (2025). AIMP-Studie 2025 // Interim Management im DACH-Raum bleibt stabil und professionell. Abgerufen von https://www.gointerim.com/aimp-studie-2025-interim-management-im-dach-raum-bleibt-stabil-und-professionell/ [4] DDIM (2025). Interim Management Report 2025: Zahlen, Trends, Perspektiven. Abgerufen von https://ddim.de/studie/interim-management-report-2025-zahlen-trends-perspektiven/ [5] EINWERK Consulting (2024). EINWERK im Handelsblatt: Vom Headhunter zum Organisations-Architekten. Abgerufen von https://www.einwerk-consulting.de/blog/einwerk-im-handelsblatt-vom-headhunter-zum-organisations-architekten/