Das 2026-Playbook: Die 3 entscheidenden Züge für Einkauf & SCM

27. Februar 2026

Warum die aktuelle Wirtschaftsprognose die Spielregeln ändert und welche Strategien jetzt über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Autor: Dirk Picklaps | Partner EINWERK

 

Die deutsche Wirtschaft steht an der Schwelle zu einer fragilen Erholung. Nach einer Phase der Stagnation wird für 2026 ein moderates Wachstum von 1,0 % prognostiziert, das sich 2027 auf 1,6 % beschleunigen soll. Doch dieses Wachstum ist in ein komplexes Spannungsfeld aus geopolitischer Unsicherheit, strukturellen Umbrüchen und technologischen Disruptionen eingebettet. Für den Einkauf und das Supply Chain Management (SCM) bedeutet dies, dass die Rolle des reinen Kostenoptimierers und Prozessverwalters nicht mehr ausreicht.

Basierend auf der aktuellen Wirtschaftsprognose der DZ BANK vom Januar 2026 haben wir drei entscheidende strategische Züge identifiziert, die für den Erfolg von Unternehmen in den kommenden Jahren entscheidend sein werden.

 

Strategischer Zug 1: Intelligentes Kostenmanagement im Spannungsfeld staatlicher Impulse

Das makroökonomische Bild ist ambivalent. Einerseits bietet die aktuell niedrige Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe (ca. 77 %) kurzfristig Verhandlungsspielraum. Andererseits wird das massive Fiskalpaket der Bundesregierung (500 Mrd. Euro) ab 2026 gezielte Nachfrageschocks in Sektoren wie Bau, Infrastruktur und Greentech auslösen. Dies führt unweigerlich zu Kapazitätsengpässen und Preissteigerungen.

Unsere Überzeugung: Unternehmen müssen jetzt eine Doppelstrategie fahren. Die Phase der niedrigen Auslastung muss für die Neuverhandlung von Verträgen und die Sicherung langfristiger Konditionen genutzt werden. Gleichzeitig sind vorausschauendes Kapazitätsmanagement und die frühzeitige Bindung von Schlüssel-Lieferanten in den relevanten Sektoren überlebenswichtig.

  • Wirtschaftlicher Trend Strategische Aufgabe für Einkauf & SCM
  • Fragiles Wachstum & niedrige Kapazitätsauslastung Intelligentes Kostenmanagement: Neuverhandlung von Verträgen und Implementierung von Absicherungsstrategien (z.B. Indexing).
  • Wirtschaftlicher Trend Strategische Aufgabe für Einkauf & SCM
  • Staatliche Investitionsprogramme Vorausschauendes Kapazitätsmanagement: Frühzeitige Bindung von Schlüssel-Lieferanten und proaktive Reservierung von Produktions- und Logistikkapazitäten.
  • Anstieg der Importe Globales Sourcing optimieren: Stärkung des internationalen Lieferantennetzwerks und Evaluierung alternativer Logistikrouten.

 

Strategischer Zug 2: Radikale Diversifizierung als Antwort auf die neue Weltordnung

„Die Weltordnung wird nicht zertrümmert, sondern umgebaut. Das erfordert ein fundamentales Neudenken von Lieferketten-Architekturen.“  Die Zeiten stabiler, globalisierter Lieferketten sind vorbei. Die zunehmende Blockbildung und die Fragmentierung des Welthandels sind das zentrale Risiko für die deutsche Wirtschaft. Die Empfehlung zur Diversifizierung der Lieferketten ist keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Single-Sourcing wird zum existenziellen Risiko.

Die drei Handlungsfelder für resiliente Lieferketten:

  1. Systematisches Risikomanagement: Implementierung eines Lieferanten-Risikomanagements, das geopolitische Faktoren systematisch bewertet und Single-Source-Abhängigkeiten identifiziert.
  2. Radikale Diversifizierung: Aufbau von Multi-Sourcing-Strategien für alle kritischen Materialien und Komponenten, um Versorgungssicherheit auch in Krisenzeiten zu gewährleisten.
  3. Regionale Netzwerke: Evaluierung von Nearshoring- und Friend-Shoring-Potenzialen, um die Abhängigkeit von einzelnen, weit entfernten Produktionsstandorten zu reduzieren und Lieferzeiten zu verkürzen.

 

Strategischer Zug 3: KI und Automatisierung als strategischer Überlebensfaktor

Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung sind die zentralen Treiber für Effizienz und Produktivität. Während die USA bereits stark von KI-Investitionen profitieren, bietet sich für Deutschland die Chance, durch den „Schub durch Künstliche Intelligenz“ die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die digitale Transformation wird von einer reinen Effizienzmaßnahme zu einem strategischen Überlebensfaktor.

Woran Sie es merken:

  • KI-Roadmap im Einkauf: Anwendungsfälle für KI (z.B. Ausgabenanalyse, Lieferantenauswahl, Vertragsmanagement) werden identifiziert und in Pilotprojekten umgesetzt.
  • Automatisierung der physischen Supply Chain: Automatisierungslösungen in Lagerhaltung und Intralogistik (z.B. autonome mobile Roboter) kompensieren den Fachkräftemangel.
  • Strategische Personalentwicklung: Kompetenzen in den Bereichen Datenanalyse, KI-Anwendung und digitales Prozessmanagement werden im Team gezielt aufgebaut.

Fazit: Vom Verwalter zum Gestalter

Das wirtschaftliche Umfeld für 2026 und darüber hinaus verlangt vom Einkauf und Supply Chain Management eine fundamentale Weiterentwicklung. Die Zukunft gehört dem strategischen Gestalter, der makroökonomische Trends versteht, geopolitische Risiken managt, technologische Chancen ergreift und die Lieferkette aktiv als Wettbewerbsvorteil formt.

Unternehmen, die jetzt die Weichen stellen, werden die Gewinner in der neu entstehenden Wirtschaftsordnung sein. Wir bei EINWERK unterstützen Sie dabei, die richtigen Führungskräfte für diese Transformation zu finden und Ihre Organisation zukunftsfest aufzustellen.

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